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Lieber hier sterben als zurück zu gehen – Voll integrierter Flüchtling soll abgeschoben werden – VIDEO

Irsch. 27- jähriger Pakistani soll trotz Vollzeitstelle bei einem lokalen Bäckereibetrieb in Irsch bei Saarburg abgeschoben werden. Wir trafen den jungen Pakistani bei seinem bisherigen Arbeitgeber, der Bäckerei Wagner in Irsch/Saar und seine Unterstützer die für ihn und für seinen Verbleib und Erhalt seiner Vollzeitarbeitsstelle bis zu höchster Instanz kämpfen.

In einer emotional und bedrückenden Stimmung schilderte Sultan Mohammed seine Flucht und die Gründe dafür. Aus der östlich an der Grenze zu Indien gelegene Stadt Gujranwala, bei Lahore. verließ Sultan um die Jahreswende 2011/2012 alleine seine Heimat und Familie, die von den Taliban verfolgt wurde. Nachdem sein Bruder getötet in einem Kanal von seinem Vater aufgefunden wurde war klar das die Terrorgruppe auch hinter Sultan her sein wird.

Seine Eltern verkauften ein Grundstück um seine Flucht und Schleusergebühren zu finanzieren. Er hinterlässt noch Vater (71), Mutter (67) und weitere acht Geschwister. Im Interview schildert er seine dramatische und Monate lange Reise nach Deutschland.




Größtenteils legte er eine alleinige Fußreise durch Afghanistan und den Iran zurück, bis er nach Monaten über die Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich in Aachen ankam. Hier meldete er sich bei der Polizei. Daraufhin kam der junge Mann in die Asylaufnahmeeinrichtung nach Trier.

Zwei Jahre arbeitete er in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Gerolstein, Dort begann er auch eine Ausbildung, bis dieser Landwirt seinem Betrieb aufgrund eines Sterbefalls auflöste. Seit mehr als einem Jahr fand er schließlich selbständig suchend eine Vollzeitstelle als Bäckereigehilfe bei Manfred Wagner in Irsch. Seit dem 30.6.2018 ist das Asylverfahren Negativ beschieden worden. Seine Arbeitserlaubnis ist somit erloschen. Es besteht eine vollziehbare Ausreisepflicht.

Für Manfred Wagner und den Kreishandwerksmeister Gerd Benzmüller ist dies nicht nachvollziehbar. Sie sind verbittert, ja sogar sichtlich erbost über diesen Vorgang und das Verhalten der involvierten zuständigen Behörden. Unterstützung findet die Geschichte zu Sultan auch bei Irscher Ortsbürgermeister Jürgen Haag.

Manfred Wagner und seine Mitarbeiter schildern Sultan Mohammed als netten, zuverlässigen, strebsamen und ehrlichen Kollegen. Er ist jederzeit pünktlich, bestreitet seinen Lebensunterhalt vollständig aus seinem Verdienst, bezahlt monatlich für seine Unterkunft, eine kleine Wohnung in Saarburg die Miete. Nun soll das für Sultan Mohammed alles ein Ende haben.

Für Manfred Wagner unvorstellbar. Er findet trotz jahrelanger Versuche in der Vergangenheit keinen Ersatz. Das Bäckerhandwerk in seiner alten, qualifizierten und qualitätsbewussten Tradition ist ein harter Job. Für seinen „Schützling“ ist das nächtliche Aufstehen um mit dem Fahrrad zu seiner Backstube zu fahren, kein Problem, im Gegenteil es ist ihm keine Arbeit und Hilfe zu schade.

„Er kann die Rezepturen lesen und Anweisungen gut verstehen. Das Schreiben fällt ihm bekanntlich schwer. dies ist aber bei einer weiteren Festeisstellung sicher kein Problem durch Besuche von Deutschkursen“ so Manfred Wagner.

Wir fordern hiermit alle Beteiligten und betroffenen Behörden im Asyl – und Abschiebeverfahren nochmals den Vorgang zu überdenken und überprüfen, damit eine einvernehmliche Lösung hier gefunden wird und somit für Manfred Wagner und Sultan Mohammed eine zukunftsorientierte Existenzsicherung möglich ist.




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